§ 136 StGB DDR

Die Norm lautete seit dem Erlass des Strafgesetzbuches der DDR am 12. Januar 1968:

§ 136 StGB DDR, Verletzung des Berufsgeheimnisses

Wer vorsätzlich als Rechtsanwalt, Notar, Arzt, Zahnarzt, Psychologe, Hebamme, Apotheker oder als deren Mitarbeiter Tatsachen, die ihm in seiner beruflichen Tätigkeit anvertraut oder bekannt geworden sind und an deren Geheimhaltung ein persönliches Interesse besteht, offenbart, ohne dazu gesetzlich verpflichtet oder von seiner Verpflichtung zur Verschwiegenheit befreit zu sein, wird mit Verurteilung auf Bewährung; Geldstrafe oder mit öffentlichem Tadel bestraft.

§ 136 StGB DDR scheint unserem heutigen § 203 des Strafgesetzbuches zu ähneln, scheint aber nur.

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Der staatsamtliche DDR – Kommentar zu § 225 StGB DDR schreibt:

Nach § 225 ist jedermann zur Anzeige verpflichtet, der von dem Vorhaben, der Vorbereitung oder der Vorbereitung eines … in dieser Bestimmung genannten schweren Verbrechen … glaubwürdige Kenntnis erlangt. Das trifft auch für den in § 136 genannten Personenkreis zu.

Strafgesetzbuch der Deutschen Demokratischen Republik, Kommentar, herausgegeben vom Ministerium der Justiz und der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft der DDR Potsdam-Babelsberg, Staatsverlag der DDR, 4. durchgesehene Auflage, S. 334

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§ 225 StGB DDR erklärte dann nicht nur die „Republikflucht“ zum anzeigepflichtigen Verbrechen, sondern auch (mit § 225 Abs, I Nr. 2 StGB DDR) die Fluchthilfe, das Sammeln von Nachrichten für westliche „Feindsender“ , das Unterstützen sonstiger „Feindorganisationen“, die Verbindung mit diesen, die öffentliche Kritik am Sozialismus und das Bilden abweichlerischer Gruppen. Anzeigepflichtig waren auch die „besonders schweren Fälle“ der Erschütterung der Politbüro-Greise mit dem schütteren Haar.

Die ewigen Diskussionen darum, ob DDR-Anwälte wie z.B. Gregor Gysi ihr „Berufsgeheimnis“ gebrochen hätten, sind eine Spielwiese der Aufarbeiter. Deren Sicht, hier die einer vormaligen DDR-Staatssängerin im Dienste des DDR-„Kultur“ –

 Ministeriums  will ich Ihnen deshalb nicht vorenthalten.