§ 225 Abs. I Nr. 5 StGB DDR

Die Norm lautete seit dem Gesetz vom 28. Juni 1979 :

225. Unterlassung der Anzeige.

(1) Wer von dem Vorhaben, der Vorbereitung oder der Ausführung

1., 2., 3., 4.,

5. eines Verbrechens oder Vergehens gegen die allgemeine Sicherheit, oder gegen die staatliche Ordnung (§§ 185, 188; 190, 198, 213 Absatz 3);

6. 

vor dessen Beendigung glaubwürdig Kenntnis erlangt und dies nicht unverzüglich zur Anzeige bringt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Verurteilung auf Bewährung, Geldstrafe oder mit öffentlichem Tadel bestraft.

(2)

3) In besonders schweren, Fällen ist auf Freiheitsstrafe von zwei bis zehn Jahren zu erkennen.

(4) Die Anzeige ist bei einer Dienststelle der Sicherheitsorgane oder der Staatsanwaltschaft der Deutschen Demokratischen Republik zu erstatten. Die Anzeige kann erforderlichenfalls auch bei einem anderen staatlichen Organ erstattet werden.

__________________________________

§ 225 Absatz I Nr. 5 StGB DDR erklärte den „ungesetzlichen Grenzübertritt“ („Republikflucht“) zum anzeigepflichtigen Verbrechen. Millionen von DDR-Bürgern waren verpflichtet, solche Vorkommnisse zu melden, wenn sie denn davon wussten. Auch Vätern und Müttern, Brüdern und Schwestern, ja sogar Ärzten, Rechtsanwälten und Pastoren drohte anderenfalls eine Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren.

Der staatsamtliche DDR – Kommentar zu § 225 StGB DDR schreibt:

Nach § 225 ist jedermann zur Anzeige verpflichtet, der von dem Vorhaben, der Vorbereitung oder der Vorbereitung eines … in dieser Bestimmung genannten schweren Verbrechen … glaubwürdige Kenntnis erlangt. Das trifft auch für den in § 136 genannten Personenkreis zu.

Strafgesetzbuch der Deutschen Demokratischen Republik, Kommentar, herausgegeben vom Ministerium der Justiz und der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft der DDR Potsdam-Babelsberg, Staatsverlag der DDR, 4. durchgesehene Auflage, S. 334