1980 Über’n Zaun

Das Ministerium für Staatssicherheit der DDR lernte ich mit 19 Jahren in einem Schnellkurs kennen. Bis dahin wusste ich nicht einmal, dass es die Stasi gab, geschweige denn, was diese Brüder machen. Ich war hochgenommen worden an der ungarisch/österreichischen Grenze und nun saß ich bei ihnen ein im Roten Ochsen in Halle .

Sie warfen mir vor, die Bestimmungen der DDR über die Auslandsaufenthalte ihrer Bürger verletzt zu haben.

Manchmal erzähle ich Schülern über die DDR und von mir. (Fast) immer sind es die Lehrer, (fast) nie die Schüler, die mich dann fragen:

„Warum wollten Sie denn weg aus der DDR ?“

Ich antworte dann:

„Warum ich über den Zaun wollte?

Weil er stand, hätte er nicht gestanden, hätte ich nicht drüber gewollt.“

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„Das Verbot, außer Landes zu gehen,“

so schrieb Cesare de Becceria 1764 in „Dei delitti e delle pene“

(deutsch: „Von den Verbrechen und von den Strafen“),

„Das Verbot, außer Landes zu gehen, wird jeden Untertan nur noch lüsterner machen, genau dies zu tun. Sollte es ihm gelingen, kann er nie zurückkehren. Es wird jedem Fremden eine Warnung sein, sich in einem solchen Land niederzulassen.“

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Stellen wir die Frage also anders herum: Warum nahmen Millionen von Menschen in der DDR 28 Jahre lang KEINE Drahtschere in die Hand und schnitten KEIN Loch in den Zaun ? Das versuche ich hier zu beantworten …