amnesty international zur DDR

Nein, ich will hier gar nicht behaupten, es habe in einem Staat wie der DDR eine Opposition gegeben und vielleicht sogar ich sei eine ihrer herausragenden Figuren gewesen. Vaclav Havel hat 1978 einmal sehr gut beschrieben, warum es in diesem System, das er posttotalitär nennt, gar keine Opposition geben kann. Und die „DDR-Opposition“ wurde ja auch erst lange nach 1989 erfunden.

So sagt es denn auch wenig über mich und viel über die ängstliche Staatssicherheit aus, als diese 1983 einen Operativen Vorgang gegen mich eröffnete. Die Staatssicherheit hatte den nicht ganz abwegigen Verdacht, ich baute in der DDR den Stützpunkt einer westlichen Menschenrechtsorganisation auf und sei deren „Agent“.
Sie gaben ihrem Tun den schönen Namen „Gärtner“ und entwickelten einen „Maßnahmeplan“, einschließlich „konspirativer
Haussuchung (von lat. „conspirare“ = „sich verschwören“ = im Geheimen handeln) „. Dann haben sie mich verhaftet und vernommen ; mit nicht allzu großem Erfolg .

Die Gefangenenhilfsorganisation „amnesty international“ schrieb 1984 während meiner Haft unermüdlich Briefe an die zuständigen DDR-Behörden.

1988 dann im Westen sprach ich das Thema „DDR“ in der deutschen Sektion von amnesty international selbst an. Die Hefte, die wir auf unseren Ständen zu politischer Verfolgung in der DDR auslegten, waren über ein Jahrzehnt alt und kaum zu gebrauchen. Ich forderte 1988 auf der Generalversammlung der deutschen Sektion von amnesty international etwas Aktuelles.

Von Seiten der üblichen Verdächtigen bei amnesty international kam wie immer der eher zynische Vorhalt, dass wir zum INLAND nicht arbeiten dürften. Die DDR sei doch eben INLAND. Uns sei es doch laut Satzung von amnesty international verboten, zur politischer Verfolgung im eigenen Land zu arbeiten. Von dieser Seite gab es deshalb auch Gegenstimmen.


Warum arbeitete die Deutsche Sektion von amnesty international nie zur DDR ?


Mein Antrag ging ansonsten mehrheitlich durch die Versammlung. Die Frage ist in ehrenamtlich arbeitenden Organisationen dann immer: „Wer macht‘s ?“.

Wer Ideen hat, sollte sie auch umsetzen können, so sagte der Vorstand zu mir, und so hatte ich die Aufgabe mit meiner Bonner Gruppe 1400 „am Bein“.

Wir waren fertig mit unserem Werk, als die Londoner Zentrale bei der deutschen Co-Gruppe ihr eigenes Büchlein ankündigte. Dass die Deutsche Sektion von amnesty international darauf hin unser Werk nicht (mehr) drucken wollte, war durchaus folgerichtig. Was als Absender unseren stellvertretenden Generalsekretärs Larry Cox aus London hatte, war tatsächlich wirkungsvoller in Ostberlin, als ein Absender in Bonn.

Jetzt galt es, die Londoner Ausgabe schnell zu übersetzen. Und so machten wir uns wieder an die Arbeit .

„DDR-Rechtsprechung hinter verschlossenen Türen hinter verschlossenen Türen“ kam im Februar 1989 in die Buchläden. Es wurde 1992, zwei Jahre nach dem Zusammenbruch der DDR. noch einmal nachgedruckt.

(PDF, Download, 0,6 MB ) Ich will es Ihnen hier vorstellen.