Noch mehr Unrecht

Heute kann ich gelassener reagieren, wenn jemand

  • seine Absetzung als FDJ-Sekretär in der DDR der 1980er Jahre oder
  • seine Exmatrikulierung vom Studium der marxistisch-leninistischen Philosophie oder der marxistisch-leninistischen Ökonomie oder
  • die Erwähnung seines Namens in einer Sammelbeobachtung der Stasi auf Seite 4

mit einer

  • Haft bei der Stasi in jenen Jahren gleichsetzt.

Vor zwanzig Jahren wurde ich darüber noch zornig. Weil selbst dieser Operative Vorgang hier, der nur über mich angelegt wurde, Pillepalle ist. Pillepalle, verglichen mit den 3 Jahren Haft, die ich in der DDR auch noch hinter mir habe.

Gerade deswegen kann ich die verstehen, die in den 1960er Jahren in der DDR in politischer Haft waren. Sie hatten Härten durchzustehen, die ich nicht durchstehen mußte.

Erst recht kann ich die Greise verstehen, die 1948 Bautzen als zwei von drei Insassen überlebten. Manche sagten mir, ich sei 1984 in Bautzen in einem Erholungsheim gewesen.

Noch ganz anders schlug der Puls bei denen, für die in den Vernichtungslagern des 3. Reiches der Tod von vornherein eingeplant war.

Zu jedem Unrecht gibt es eine Steigerung.

Im Zusammenhang mit den Stasiakten von einem

„Auschwitz der Seelen“ zu sprechen, ist einfach Unsinn.

Dem Durchschnittspublikum sind die Einzelheiten „DES UNRECHTS“ unbekannt. Alle Vergleiche sind Formeln mit mindestens 2, wenn nicht noch mehreren Unbekannten. Das ist so hohe Mathematik, dass es nicht mal Abiturstoff ist. Menschen, die mit mehreren Unbekannten herumrechnen, erweisen sich in der Regel als Dilettanten.

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Für sein Meisterwerk Bloodlands

hat Timothy Snyder erst einmal mit dem begonnen, mit dem ein guter Historiker beginnen sollte: Mit dem Erfassen der Quellen und dem 10.000 fachen Befragen von Zeitzeugen.

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In der Entschädigungsgesetzgebung für die Verfolgten der DDR bzw. der Sowjetischen Besatzungszone haben Juristenkollegen trotzdem immer wieder auf die Entschädigungsgesetzgebung für Verfolgte des Dritten Reiches zurückgegriffen. Warum sollte man das Rad zweimal erfinden ?

Für vormalige DDR-Bürger hat das Berufliche Rehabilitierungsgesetz, BerRehaG seine Vorlage im Gesetz zur Regelung der Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts in der Sozialversicherung.

Den § 17a des Strafrechtlichen Rehabilitierungsgesetzes haben seine Erfinder für ehemalige politische Gefangene der DDR ausdrücklich unter Berufung auf die Ehrenpensions – Anordnung des DDR-Ministerrates von 1976 erstritten.

So ließe sich die Reihe fortführen….

Ich habe mich 2005 einmal in einem Vergleich von Regelungen versucht.

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Übrigens:

Was hat die oben genannte Anordnung des Sekretariats des Ministerrates der Deutschen Demokratischen Republik über Ehrenpensionen für Kämpfer gegen den Faschismus und für Verfolgte des Faschismus sowie für deren Hinterbliebene vom 20. September 1976 („Vertrauliche Dienstsache – VD 26/19/76 -„) überhaupt geregelt ?

Die Mutmaßungen ranken sich darum. Das bringen „Vertrauliche Dienstsachen“ so  mit sich. Vor allem deshalb habe ich die Anordnung hier auf diese Seite gestellt.