Warum Mielkes Unterschrift ?

Auch die Anordnung über meine Abschiebung in Handschellen in den Westen trägt die Unterschrift des Ministers für Staatssicherheit der DDR, Erich Mielkes.

Warum denn das?

Die hauptamtlichen Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit“- so heißt eine Publikation des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen.

Sie erzählt die Geschichte des MfS. Anfangs, in den 1950er und 1960er Jahren, war die Motivation der Stasi-Mitarbeiter noch hoch. Die Karriereleiter in der neu aufzubauenden Behörde schien unendlich lang. Die großen „Ideale“ leuchteten alle Anfeindungen noch weg.

Ab dem Bau der Mauer, ab 1961 wurde deren Schutz, ab der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, KSZE, ab 1973 wurde das „Zurückdrängen von ÜberSiedlungsErsuchen, ÜSE“ insgesamt zur Kernaufgabe des Ministeriums der Staatssicherheit.

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Der Bericht des Ministeriums für Staatssicherheit 

an das Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei, SED, über sein Wirken im Jahr 1988 verzeichnet 3.668 Per­sonen, gegen welche die Stasi in jenem Jahr ein Ermittlungsverfahren er­öffnete.

Davon, so der heutige Kommentator des Berichts (Frank Joestel), müssten etwa 90%, also etwa 3.300 Verfahren, als politische Verfolgung erkannt wer­den.
Etwa 2.750 Verfahren, also 83 % beträ­fen das Bemühen von DDR-Bürgern, über die Mauer zu wollen. 1.734 Verfahren daraus, also 54 % aller von der Staatssicherheit 1988 durchgeführten Ermittlungen (mit Untersuchungshaft) hatten direkt den  § 213 des Strafgesetzbuches der DDR (Vorbereitungen zum illegalen Grenzübertritt) zum Vorwurf. Etwa 1.000 dieser Beschuldigten waren jünger als 25 Jahre.

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„Was ich bei der Stasi als Vernehmungsoffizier machte ? – Ich kam mir vor, wie in einem Reisebüro.“

So gab mir ein Mitarbeiter der Abteilung Bildung und Forschung in der Jahn-Behörde das Seufzen eines vormaligen Stasi-Offiziers wieder.

„Erst hatten wir einem Bürger nachzuweisen, dass er aus der DDR weg wollte. Dann hatten wir einen Bürger unter diesem Vorwurf anzuklagen und er wurde unter diesem Vorwurf verurteilt. Abschließend setzten wir den Bürger in einen Bus und brachten ihn genau dorthin, wohin er wollte.“

Welcher Stasi-Offizier mit Klassenstandpunkt konnte DAS verantworten ? Wie sollte ein solches „Strafen“ überhaupt abschrecken ?

Erich Mielke als Behördenchef alter Schule „verantwortete“ das deshalb über 33.000 mal höchstselbst. Er setzte sein „BESTÄTIGT MIELKE“ drüber.

Schluß aus. Ende der Debatte.

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Übrigens:

Seit dem Ende der 1970er Jahre, so können Sie es auch in dieser Publikation des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen  lesen, waren es vor allem die Kinder von Stasi-Mitarbeitern die zur Stasi gingen. Die „Firma“ wurde zum Familienbetrieb. Andere Motivationen gab es kaum (noch).